Stapelfeldt

Wege aus der Krise: Kann ein Unternehmensberater wirklich helfen?

Am Beispiel des Hamburger Hafens hat sich gezeigt, wie in kürzester Zeit nach zweistelligen Wachstumsraten das hohe Aufkommen plötzlich ausbleibt und die Unternehmen sich von null auf hundert völlig neu positionieren müssen. Wie kann ein Unternehmer schnell und effektiv auf Umsatzeinbußen und bestehende Fixkosten reagieren? Kann externe Unterstützung den „Blick über den Tellerrand“ erweitern und die Krise zur Chance machen? Hans Stapelfeldt ist mit seiner Firma dabei, die Flaute im Hafen erlebbar zu machen, Erfahrungen in dieser Krise zu sammeln und mit einem Beraterteam die Aufgaben zu meistern. Die wichtigsten und aktuellen Fragen eines Unternehmers lesen Sie in diesem Interview.

In einem Interview sprach Hans Stapelfeldt mit Hans-Jürgen Massong:

Herr Massong: Seit Jahren helfen Sie Unternehmen erfolgreich aus der Krise. Haben Sie in dieser Zeit es je erlebt, dass sich eine Weltwirtschaftskrise in einem so atemberaubenden Tempo auch in den realen Betrieben bemerkbar macht, deren Zahlen noch vor Monaten bestens waren?

Auch wenn ich selbst noch keine der großen Weltwirtschaftskrisen erlebt habe: Mir sind sich rasant entwickelnde Krisen bekannt und sehr vertraut. Hiervon waren auch Unternehmen mit bislang guten Ergebnissen betroffen, die dann sehr schnell in eine erhebliche Schieflage geraten sind.

Sie sprechen von Indizien und langsamen Veränderungen, die auf eine Krise hinweisen. Gelten bei den aktuellen und rasanten „Krisen-to-go“ die gleichen Maßnahmen-Kataloge, wie Sie diese bisher angewendet haben?

Die schleichend kommende Krise wird oft leider viel zu spät erkannt. Eine sich langsam verschlechternde Situation wird oft unterschätzt. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er sich langsam entwickelnde Dinge nicht ernst und als naturgegeben hinnimmt.„Die Gesamtlage verschlechtert sich eben.“

Sehr schnell entwickelnde Krisen sind dort anzutreffen, wo sich Marktgegebenheiten unerwartet ändern. Es gibt Produkte, die so schnell weiter entwickelt werden (EDV etc.), dass vorhandene Lagerbestände nur noch zu Dumpingpreisen oder gar nicht mehr verkauft werden können. Oder es kommt zu Überkapazitäten wie derzeit in der globalen Transportkette. Hier unterliegen Unternehmen sehr starken, manchmal ruinösen Preisschwankungen.

Das Resultat einer Krise is,t unabhängig von der Geschwindigkeit ihres Auftretens, fast immer dasselbe. Der Verlauf unterliegt wenig variierenden Gesetzmäßigkeiten. Insofern unterscheiden sich die zu ergreifenden Maßnahmen nicht allzu sehr.

Welche Unterschiede gibt es zwischen einer internen Krise (hausgemacht) und einer extern verursachten Krise ?

Die Unterschiede liegen im persönlichen Empfinden des Unternehmers/Geschäftsführers. Die interne Krise resultiert fast immer aus einer unternehmerischen Fehlentscheidung. Das Spektrum reicht von falschen Markteinschätzungen bis hin zu hohen Entnahmen, die die Liquidität zu stark belasten.. Einer derartigen Krise ist leichter zu begegnen, als einer von außen kommenden, da nur das Fehlverhalten abzustellen (wenn es noch nicht zu spät) ist.

Die extern verursachte Krise ist vom Unternehmer selten vorzusehen und auch kaum zu vermeiden. Die derzeitige Wirtschaftskrise wurde auch von fast niemandem erwartet und war ein überraschendes Ereignis.

Sie sagen: Sehr oft halten selbst gestandene Unternehmer und Selbständige Existenzbedrohendes für ihre Unternehmen für sehr wenig wahrscheinlich. Würden Sie dies als gesunde Zuversicht oder gefährliche Naivität bezeichnen?

Das bezeichne ich als fahrlässig und sehr dumm.

Wenn Einsicht der erste Weg zur Besserung ist: Wer ist der Vertrauenspartner, den der angeschlagene Unternehmer als erstes mit ins Boot nehmen sollte? Die Hausbank, der Steuerberater, der Lieferant, der Krisenberater oder alle zusammen an einen Tisch?

Die Hausbank scheint mir hier nicht der erste richtige Ansprechpartner zu sein, da diese um ihr Engagement fürchtet und sich möglicherweise zu für den Unternehmer unerwünschten Reaktionen hinreißen lässt. Die Steuerberater verfügen meistens nicht über genug Erfahrung in diesem Bereich. Lieferanten können selten helfen; auch dürften Befürchtungen bezüglich eingeräumter Lieferantenkredite aufkommen.

Wirkungsvoll helfen kann als erstes das schnelle, offene Gespräch mit einem erfahrenen Berater.

Wie viel Offenheit gegenüber der Hausbank erhält einerseits das Vertrauen und zeigt andererseits eine realistische Einschätzung, wenn Umsätze langfristig im zweistelligen Bereich einbrechen?

Die Hausbank sollte nicht unvorbereitet informiert werden, sie wird durch verändertes Zahlungsverhalten ohnehin aufmerksam und stellt Fragen. Für ein Gespräch mit der Bank sollte ein schlüssiges Konzept erarbeitet werden. Auch hier empfiehlt sich die Beauftragung eines Beraters. Banken reagieren positiv auf den Einsatz von Unternehmensberatern.

In unserer Transportbranche haben wir es zum größten Teil mit Familienbetrieben zu tun. Gibt es hier besondere Spielregeln und Chancen in einer Krise?

Gerade bei Familienbetrieben kommt es zu ganz besonderen Problemen, z. B. durch den üblichen Generationskonflikt – auch bei einem Übergang auf die nächste Generation mischt sich die vorgehende sehr häufig oft auch negativ ein – , der Nachfolgeregelung und einer möglichen Neustrukturierung des Unternehmens. Die Chance der Krise liegt hier in einer möglichen Familiensolidarität, die letztlich doch die Kraft aller Familienmitglieder mobilisiert und Wege zur Bewältigung der Krise ermöglichen. Das ist in anderen Unternehmen so nicht gegeben.

Wenn Sie nach Durchsicht aller Unterlagen für den Betrieb kaum noch Chancen sehen, wie offen gehen Sie dann auf den Unternehmer zu, um ihm zu helfen?

Es ist nicht sinnvoll, den Unternehmer über die wirkliche Lage seines Unternehmens im Unklaren zu lassen. Eine realistische Analyse ermöglicht die Erarbeitung und Durchführung eines Fortführungskonzeptes. Das ist ohne Offenheit nicht möglich.

Viele warten bis zur letzten Sekunde, um sich an Sie zu wenden. Können Sie eine Brücke bauen, die es den Selbständigen leichter macht, sich rechtzeitig beraten zu lassen?

Frage: Wenn Sie einen Rohrbruch vermuten, holen Sie dann nicht sofort den Klempner: Den Fachmann? Auch ein Krisenberater kennt seinen Werkzeugkasten bestens und kann auf langjährige Erfahrung bauen. Viele Unternehmer warten zu lange. Weil sie nicht über die erforderlichen Erfahrungen und Kenntnisse verfügen, können sie sich nicht vorstellen, dass ihnen wirklich geholfen werden kann. Zu empfehlen ist die Hinzuziehung eines seriösen Beraters, der zunächst einmal die Probleme mit dem Unternehmer erörtert und zumindest für das erste Gespräch kein Honorar verlangt und der sodann seine Vorgehensweise plausibel erörtert und erst dann seine Honorarvorstellungen nennt.

Wird es auch 2009 noch Banken geben, die angeschlagenen Firmen mit einem überzeugenden Konzept als Partner mit Krediten zur Seite stehen?

Die Banken verhalten sich zurzeit sehr restriktiv. Eine Änderung ist diesbezüglich vorläufig auch nicht zu erwarten. Zunächst sollte die Hausbank angesprochen und parallel hierzu ein neuer Kontakt zu einer Volksbank oder Sparkasse hergestellt werden.

Herr Massong, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Zur Person:

Hans-Jürgen Massong ist Unternehmensberater mit Sitz in Hamburg und hat sich spezialisiert, Unternehmen aus der Krise zu führen. Massong & Partner sind Mitglied im IBWF Institut für Betriebsberatung, Wirtschaftsförderung u. –forschung e. V.

Herr Massong war selbst ein sehr erfolgreicher Unternehmer, der innerhalb kürzester Zeit eine große Unternehmensgruppe aufbaute, die, nicht zuletzt durch die Vereinigung der Deutschen Staaten, sehr schnell wuchs. Das Unternehmen wurde entsprechend klarer „kapitalistischen Grundsätze“ unter Ausnutzung aller Marktmöglichkeiten und allen zur Verfügung stehenden Tricks geführt. Hierzu gehörte auch die Käuflichkeit von einflussreichen Kaufleuten und anderen.

Nach seiner Bekennung zum christlichen Glauben ließ sich das Unternehmen in der bisherigen Form nicht fortführen, was einen Konkurs mit allen Begleiterscheinungen zur Folge hatte. Herr Massong weiß also sehr genau, wie ein Krisenszenario abläuft und wie diesem zu begegnen ist.

Nach entsprechenden Weiterbildungen werden seit 1995 Unternehmer und Unternehmen jeder Art und Größe im Bereich der Krisenprävention und der Krisenbewältigung beraten.

admin 31. August 2010 Keine Kommentare Trackback URI Comments RSS

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